Gelesen: „Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek“ von David Whitehouse

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Gebundene Ausgabe: 314 Seiten 
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Verlag: Tropen (21. Februar
2015) 
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Sprache: Deutsch 
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ISBN-10: 3608501487 
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ISBN-13: 978-3608501483 
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Originaltitel: Mobile Library 

Bobby Nusku fristet seine Tage damit, Haare,
Kleidungsstücke und weitere Spuren seiner verschwundenen Mutter zu sammeln und
zu archivieren. Er fühlt sich im Haus seines grobschlächtigen Vaters und dessen
wasserstoffblonder Freundin ziemlich einsam, besonders nachdem sein einziger
Freund Sunny eines Tages wie vom Erdboden verschluckt ist. Die Freundschaft zum
Nachbarsmädchen Rosa und ihrer Mutter Val, die Putzfrau in einem Bücherbus ist,
gibt ihm Hoffnung und macht ihm Mut, sich gegen sein Schicksal aufzulehnen. Als
alles drunter und drüber geht, machen sich Val, Rosa und Bobby gemeinsam mit
dem sympathischen Outlaw Joe auf eine verrückte Reise mit Vals Bücherbus quer
durch England. Im Gepäck haben sie nur das Nötigste: ihre Freundschaft und eine
Menge guter Bücher.
(Quelle: Tropen Verlag)
Bobby lebt bei seinem Vater und dessen Freundin. Seine
Mutter ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen, ein Umstand der Bobby
schwer fällt zu akzeptieren. Er hofft immer noch auf ihre Rückkehr. In der
Schule wird Bobby gemobbt und verprügelt. Doch auch zu Hause geht es ihm nicht
besser. Sein Vater vernachlässigt ihn und auch er schlägt immer wieder zu. Nur
Sunny, Bobbys Freund, ist für ihn da. Doch der zieht plötzlich weg und Bobby
ist wieder auf sich gestellt.
Eines Tages lernt er die geistig behinderte Rosa und
deren Mutter Val kennen. Die beiden haben es auch nicht unbedingt leicht. Als
Bobby wieder mal verprügelt wurde flieht er zu den beiden in ihre fahrende
Bibliothek. Eine abenteuerliche riese beginnt …
Der Roman „Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek“
stammt von Autor David Whitehouse. Es ist sein zweiter Roman, für mich war es
das erste Buch des Autors. Angesprochen vom amüsant klingenden Titel  habe ich mich hier in ein Abenteuer gestürzt,
das ich so keinesfalls erwartet hatte.
Die Charaktere des Buches sind ungewöhnlich und wirklich
sehr gut und vor allem lebendig gestaltet.
Bobby, der Protagonist, ist nicht unbedingt schnell zu
durchschauen. Er vermisst seine Mutter, archiviert ihre Haare, und hofft auf
eine Rückkehr von ihr. Bobby wirkt wirklich wie ein Freak, dabei ist er
eigentlich nur einsam und alleine. Sein Vater kümmert sich nicht um ihn,
schlägt ihn lieber. Ehe man sich versieht hat sich Bobby ins Herz des Lesers
geschlichen, mit seiner an sich zerbrechlichen Art. Aber tief im Inneren ist
Bobby ein ganz starker Junge, den ich wirklich sehr gerne gemocht habe.
Auch die anderen Charaktere sind wirklich tiefgründig und
authentisch gestaltet.
So zum Beispiel Rosa, Sie ist Vals Tochter. Rosa ist
geistig behindert und eigentlich ein richtiger Sonnenschein, zeigt sie doch den
Menschen in ihrer Umgebung immer wieder die Schönheiten am Leben.
Val ist Rosas Mutter und auch sie hat es nicht leicht im
Leben. Ihre einzige große Liebe hat sie verlassen, weil er sich nicht im Stande
sah sich mit um Rosa zu kümmern.
Und dann gibt es noch Joe, der auch so seine Probleme mit
sich herumträgt-
Alle diese genannten Charaktere haben eigentlich nur
einen großen Wunsch. Sie suchen die richtige Familie, mit Liebe und
Geborgenheit.
Der Schreibstil des Autors ist ganz wunderbar. Er
schreibt sehr bildhaft und eindringlich. Man kommt als Leser gar nicht drum herum
als sich ins Geschehen ziehen zu lassen, von der Handlung gefesselt zu sein.
Doch es ist nicht nur ernst, auch eine Prise Humor fehlt nicht.
Die Handlung selbst ist großartig. Es ist ganz anders als
erwartet. Bobbys Geschichte hat mich berührt, ganz tief im Herzen getroffen.
Sie stimmt traurig und nachdenklich. Die Bücher geben nicht nur ihm, sondern
auch Val und Rosa Kraft. Sie vermitteln Hoffnung in schweren Zeiten, bieten
etwas wo sich die Charaktere hin flüchten können.  Leider kamen sie mir ein wenig zu kurz, ich
hätte gerne mehr über die jeweilige Lektüre erfahren. Es wird nur ab und an am
Rande erwähnt welches Buch gerade gelesen wird. Neben dem tragischen gibt es
auch noch abenteuerliche und wirklich spannende Momente.
Das Ende empfand ich als sehr gelungen. Es ist recht offen
gehalten, bietet so jede Menge Raum für die Leser sich weitere Gedanken machen
zu können. Das passt hier bei diesem Buch wirklich sehr gut.
Alles in Allem ist „Die Reise mit der gestohlenen
Bibliothek“ von David Whitehouse ein unglaubliches Buch, das ich so wirklich
nicht erwartet hätte.
Die sympathischen Charaktere, der mitreißende sehr
bildhafte Stil des Autors und eine Handlung, die einerseits spannend ist aber
auch nachdenklich stimmt, haben mich hier auf ganzer Linie unterhalten und letztlich
bewegt.
Ganz klar zu empfehlen!
Mein dank geht an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Ein Kommentar

  1. Das klingt tatsächlich nach einem sehr außergewöhnlichen Titel! Bisher ist er mir noch nie untergekommen, aber ich werde gleich mal stöbern gehen und ihn auf meine Wunschliste setzen, danke für den Tipp!

    Liebste Grüße!
    Nazurka

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