Gelesen: „Die Mitte der Welt (Jubiläumsausgabe)“ von Andreas Steinhöfel

Gebundene Ausgabe: 472 Seiten
Verlag: Carlsen (31. Januar 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3551583951
ISBN-13: 978-3551583956
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren

Was immer ein normales Leben auch sein mag – der 17-jährige Phil hat es nie kennengelernt. Denn so ungewöhnlich wie das alte Haus ist, in dem er lebt, so ungewöhnlich sind auch die Menschen, die dort ein- und ausgehen – seine chaotische Mutter Glass, seine verschlossene Zwillingsschwester Dianne und all die anderen. Und dann ist da noch Nicholas, der Unerreichbare, in den Phil sich unsterblich verliebt hat … Phil sehnt sich nach Orientierung und Perspektiven. Aber vor allem danach, mehr über sich selbst zu erfahren.
(Quelle: Carlsen)


Ich muss ja gestehen der Autor Andreas Steinhöfel war mir bisher noch vollkommen unbekannt. Umso gespannter war ich daher auf sein Buch „Die Mitte der Welt“, das ich in der Jubiläumsausgabe lesen durfte.
Das Cover gefiel mir wirklich gut und der Klappentext machte mich neugierig.

Die Charaktere haben mir gut gefallen. Auf mich wirkten sie gut beschrieben und vorstellbar. Ich konnte die Handlungen nachvollziehen und verstehen.
Die Protagonisten sind hier Glass und ihre zwei Kinder Phil und Dianne. Man lernt die drei sehr gut kennen, erkennt, dass Phil zum Beispiel ein Außenseiter ist. Seinen Vater kennt Phil nicht.
Dianne ist Phils Zwillingsschwester, das Verhältnis der beiden würde ich als normal einstufen.
Glass ist bereits sehr jung Mutter geworden. Sie liebt ihre Kinder sehr, würde für sie alle tun.

Doch nicht nur die drei Protagonisten sind gut gelungen, auch die Nebenfiguren hat der Autor gut gezeichnet. Man kann sie sich alle gut vorstellen und die Handlungen nachvollziehen.

Der Schreibstil des Autors ist soweit flüssig und lässt sich gut lesen. Allerdings mir haben doch die Emotionen gefehlt, auch wenn ich sonst gut folgen konnte.
Geschildert wird das Geschehen aus Sicht von Phil. Hierfür hat Andreas Steinhöfel die Ich-Perspektive verwendet. Dennoch aber bleibt immer eine gewisse Distanz zu Phil, es wirkte als ob man von außen auf ihn schaut.
Die Handlung ist nicht, wie ich erst dachte, rasant, sonder doch eher ruhig. Man begleitet Phil auf seinem Weg, was mir sehr gut gefiel. Doch nicht nur Phils Weg ist Bestandteil dieser Geschichte, auch seine Schwester Dianne und seine Mutter Glass sind wichtig. Allerdings fand ich es schon merkwürdig, dass man beispielsweise die Stadt, wo alles spielt, nicht erfährt. Auch sonst bleibt die Umgebung vollkommen im Dunkeln.
Dabei spricht der Autor ernstere Themen an, wie Tod oder auch Gewalt gerade unter Jugendlichen. Und natürlich spielt Phils Homosexualität eine große Rolle. Auch wenn man es nicht unbedingt will, man denkt als Leser immer wieder über das Gelesene nach.

Das Ende konnte mich überzeugen. Es ist irgendwie so ganz anders als ich es erwartet hatte. In meinen Augen passt es aber wirklich gut zur hier erzählten Geschichte, schließt sie gut ab und macht sie rund.

Insgesamt gesagt ist „Die Mitte der Welt“ von Andreas Steinhöfel ein sehr guter Roman, der mich allerdings nicht komplett überzeugen konnte.
Gut gezeichnete Charaktere, ein angenehmer flüssig zu lesender Stil des Autors und eine Handlung, die relativ ruhig gehalten ist und in der es um recht ernstere Themen geht, haben mir unterhaltsame Lesestunden beschert.
Durchaus lesenswert!