[Werbung] Interview mit Martin H. Wilhelm … „Locked In: Das zweite Leben“

Erst vor ein paar Tagen konntet ihr hier bei mir auf dem Blog meine Rezension zum Wissenschaftsthriller „Locked In: Das zweite Leben“ von Matrin H. Wilhelm lesen. Eben dieses Buch ist gerade auch Teil einer Blogger-Aktion. Die anderen Blogger mit ihren Themen findet ihr hier im Plan.

Ich möchte nun die Gelegenheit nutzen und euch den Autor Martin H. Wilhelm genauer vorstellen. Hierfür durfte ich ihm ein paar Fragen stellen, die Antworten könnt ihr im Folgenden lesen.

Hallo Herr Wilhelm,

vielen Dank das Sie sich die Zeit nehmen und mir für die Blogtour ein paar Fragen beantworten.

Wie geht es Ihnen denn gerade?
Ausgezeichnet.

(© Schutzenhofer / Bildquelle: Martin H. Wilhelm)

Sie sind ja noch relativ unbekannt als Autor (zumindest für mich), würden Sie sich daher bitte kurz vorstellen? Was muss man wissen, wenn man Martin H. Wilhelm kennen möchte?
Geboren wurde ich in Siegen (NRW) und bin dort auch zur Schule gegangen. In Bonn habe ich nach dem Abitur Pädagogik/Erziehungswissenschaften studiert und mit dem Zweiten Staatsexamen abgeschlossen. Sie ahnen es, ich wollte Lehrer werden, doch dann habe ich in den medizinischen Bereich gewechselt. Ich bin verheiratet und habe zwei erwachsene Töchter.

Ihr Thriller „Locked In: Das zweite Leben“ ist erst vor ein paar Tagen erschienen. Wie haben Sie sich gefühlt als der Thriller veröffentlicht war?
Wenn Autoren den Moment der Veröffentlichung mit einer Geburt verglichen haben, habe ich das bisher eher für ein Klischee gehalten. Aber an diesem Vergleich ist viel Wahres: Das, was man so lange ausgebrütet hat, erblickt das Licht der Öffentlichkeit. Als Autor hat man sich bemüht, sein Baby so gut wie es geht vorzubereiten, nun muss es den Weg zu seinen Lesern finden.

Können Sie kurz zusammenfassen worum es genau in Ihrem Thriller geht?
Die Psychologie und Medizin kennt das Krankheitsbild der multiplen Persönlichkeitsstörung. In ihm spaltet sich die Psyche in verschiedene unterschiedliche Teilpersönlichkeiten auf. In meinem Roman ist es andersherum. Tom muss mit einem Bewusstsein in zwei unterschiedlichen Körpern um sein Überleben kämpfen. Er führt ein Doppelleben, allerdings nicht im herkömmlichen Sinn.

Wie viel von Ihnen selbst steckt in Ihren Charakteren? Oder sind es eher äußere Einflüsse, die hier eingeflossen sind?
Es ist mir gar nicht so sehr aufgefallen, aber Testleser, die mich kennen, haben mich darauf aufmerksam gemacht, wie viel doch von mir persönlich in den Roman eingeflossen ist. Ich denke, das ist ganz unbewusst geschehen, wenn ich mich in Tom hineinversetzt und gefragt habe: Wie reagiert er jetzt und was fühlt er?
Eines habe ich aber bewusst geschrieben: die kurze Szene mit dem India Jones Flipper. Den habe ich und der steht mit drei weiteren Kollegen neben meinem Arbeitszimmer.

Warum ausgerechnet ein Wissenschaftstriller? Wie kamen Sie auf genau diese Idee?
Das hat sich aus der Thematik ergeben. Um die Situation, in die Tom gerät, für den Leser nachvollziehbar zu beschreiben, musste sie wissenschaftlich begründet sein.  Daher habe ich mich so eingehend mit dem Krankheitsbild Locked In beschäftigt.  Genauso verhielt es sich mit den gentechnischen und physikalischen Hintergründen. An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich bei Dr. Pantke, Physiker und Vorsitzender des Locked-In-Syndrom e.V., bedanken. Als selbst Betroffener hat er mir viele wertvolle Hinweise gegeben.

Abrupt wird Tom durch einen Autounfall aus seinem Alltag gerissen. Diagnose: Locked-in. Zunächst unfähig, sich bemerkbar zu machen, beginnt für ihn ein Weg des Leidens.
Dann macht ihm ein Konzern ein unglaubliches Angebot. Im Körper eines Klons soll er parallel ein neues Leben führen. Aber in einer anderen Zeit. Tom sieht darin die Chance auf ein zweites Leben ohne Behinderung und stimmt zu. Als jedoch das Projekt sabotiert wird, muss Tom alles auf eine Karte setzen.
Ist er nur das Versuchskaninchen, um dem Konzernchef zur Unsterblichkeit zu verhelfen? Und überlebt Tom das gewagte Experiment?
Ein Wissenschaftsthriller, der die heutigen Möglichkeiten der Technik und der Medizin konsequent weiterdenkt.
(Quelle: amazon)

Weitere Informationen zum Buch / Meine Rezension

Wann haben Sie angefangen zu schreiben? Kam das eher so oder gab es dafür einen Auslöser?
Von vielen anderen Autoren weiß ich, dass sie schon in der Kindheit begonnen haben zu schreiben. Bei mir war das anders. Zwar habe ich auch als Jugendlicher Tagebuch geführt und mich an der einen oder anderen Geschichte versucht. Doch irgendwann ließ das Interesse nach, vielleicht lag es auch an meinem perfektionistischen Deutschlehrer. Im Studium habe ich dann wieder viel geschrieben, aber wissenschaftlich, und das ist bekanntlich ein völlig anderer Stil als Prosa. Vielleicht kann ich noch anführen, dass ich damals für meine Tochter ein Kinderbuch geschrieben, aber nicht ganz beendet habe.
Der entscheidende Auslöser ein Buch zu schreiben, war die Idee zu dieser Story. Dann hat mich der Virus des Schreibens richtig infiziert. Und so wie ich gehört habe, gibt es nur wenig Hoffnung, davon geheilt zu werden.

Wenn Sie schreiben, wie gehen Sie dabei vor? Plotten Sie alles genau durch oder schreiben Sie eher drauf los?
Da dies mein Debütroman ist, verfüge ich natürlich noch nicht über so viel Erfahrung. Für diesen Thriller galt: zuerst plotten. Bei einem Krimi würde ich wahrscheinlich deutlich früher beginnen zu schreiben und sich die Geschichte entwickeln lassen. Hier aber musste die Handlung erst stehen, sie sollte ja auch aus technisch-wissenschaftlicher Sicht stimmig sein. Doch beim Schreiben hat sie dann doch irgendwie ein Eigenleben entwickelt und etliche Passagen wollten verändert werden.

Haben Sie Rituale beim Schreiben? Wo schreiben Sie am liebsten?
Ich brauche meine Ruhe, um mich auf das Schreiben zu konzentrieren. Und ich brauche Platz für die vielen Zettel, die ich mir zwischendurch schreibe, dafür habe ich mein Arbeitszimmer mit einem extra großen Schreibtisch ausgestattet. An der Wand davor hängt ein großes Whiteboard. Jedem Charakter aus dem Buch habe ein Foto einer Person zugeordnet und seine Wesenszüge skizziert. Die habe ich mir, bevor ich eine Szene schrieb, angeschaut und so mit Leben gefüllt.

Wie entspannen Sie sich neben dem Schreiben? Haben Sie Hobbys denen Sie dann nachgehen?
Natürlich lese ich abends, so oft es geht. Und mein anderes Hobby habe ich weiter  oben schon erwähnt. Wenn nichts mehr geht, wird eine Runde Flippern eingelegt.

Haben Sie Idole? Wenn ja, wen?
Als Autoren in erster Linie Andreas Eschbach, dann auch Elsberg, Schätzing  und Fitzek.  Oh, ich vergaß Eduard Freundlinger, der hat auch einen tollen Schreibstil.

Stellen Sie sich vor „Locked In: Das zweite Leben“ würde verfilmt werden. Wen könnten Sie sich in den Hauptrollen vorstellen?
Anne Hathaway und Ryan Gosling

Was lesen Sie selbst gerne? Sind es dann eher eBooks oder doch ganz klassisch Printbücher, die Sie bevorzugen?
Thriller , Krimis, aber auch historische Romane und Science Fiktion
Ich bin eher der Typ, der normalerweise gern ein Buch in der Hand hält und seinen Geruch genießt. Im Urlaub oder auf Reisen bevorzuge ich allerdings ebooks.

Gibt es ein Genre, in dem Sie gerne mal ein Buch veröffentlichen würden? Und welches Genre käme für Sie gar nicht in Frage?
Einen historischen Roman. Ich bewundere bei den Autoren die umfangreiche Recherche.
Einen Liebesroman könnte ich mir für mich eher weniger vorstellen.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten für einen Tag in der Regierung mitwirken? Würden Sie etwas ändern? Wenn ja, was?
Ich würde alle Kabinettsmitglieder verpflichten, einen Tag nichts zu sagen und den Bürgern, die sie vertreten sollen, nur zuzuhören.

Wenn Sie auf Ihr bisheriges Leben zurückblicken, gibt es da Dinge, die Sie im Nachhinein doch anders gemacht hätten?
Schwierige Frage. Wenn ich einiges vorher gewusst hätte: Natürlich! Dann hätte ich mir Umwege ersparen können. Aber im Nachhinein glaube ich, dass gerade die mich weitergebracht haben.

Lassen Sie uns doch  mal ein wenig in die Zukunft schauen … gibt es schon geplante Projekte über die Sie etwas verraten dürfen?
Nur soviel: Der Arbeitstitel lautet: Rupsroth brennt. Rupsroth in ein winziger in der Rhön in Osthessen, meiner Heimat.

Zum Abschluss haben Sie das Wort … gibt es etwas, das Sie Ihren Lesern gerne sagen wollen?
Unbedingt. Bei den Recherchen zum Locked-In-Syndrom bin ich auf etwas ganz Bemerkenswertes gestoßen. Ich hatte erwartet, dass Menschen, die ein so schweres Schicksal erlitten haben, verzweifelt sind und mit ihrem Leben hadern. Doch es verhält sich ganz anders. Bei Umfragen unter diesen Patienten hat sich ergeben, dass sie trotz ihrer erheblichen Behinderung, ihre Lebensqualität genauso hoch einschätzen wie Gesunde. Ist das nicht erstaunlich? Auf die Frage: Es ist klar, dass Sie vielen Einschränkungen unterworfen sind. Gibt es denn auch Dinge, die Sie besser können als früher …? antwortet Marianne B. mit den Worten:  Ja, es fällt mir leicht, wieder aufzustehen, wenn ich etwas Negatives erlebe, was mich umhaut. Und ich lasse mich umhauen, aber nicht brechen.
Diese Kraft und dieser Lebenswille haben mich enorm beeindruckt, das verdient unseren Respekt. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden, 10% des Reinerlöses meines Romans der Christine Kühn Stiftung zu spenden, die sich für die Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit Locked-In-Syndrom einsetzt.

Vielen Dank, für Ihre Zeit und Ihre Antworten auf meine Fragen.

Ich hoffe nun ihr konntet den Autor etwas besser kennenlernen. Und natürlich das ihr nun auch neugierig auf „Locked In: Das zweite Leben“ seid. Ich kann es euch wirklich nur ans Herz legen.

3 thoughts on “[Werbung] Interview mit Martin H. Wilhelm … „Locked In: Das zweite Leben“

  1. Hallo Manja,

    Danke für das geführte Interview und der gestellten Fragen mit dem Autoren Martin H. Wilhelm…
    mit interessanten Antworten
    ….beim Thema Lesen..Print..oder ..ebook sind wir , also ich als Leserin , er als Autor gleicher Meinung, was ich schon cool finde so.

    LG..Karin..

  2. Hallo…

    … und vielen Dank, dass wir nun auch den Kopf hinter dieser bewegenden Geschichte kennenlernen durften. Das hat mir noch einmal zusätzlich ein paar Gedankengänge verschafft, mit denen es sich auseinanderzusetzen lohnt.

    Allerbeste Grüße

    Anke

  3. Hallo Manja, hallo Anke,
    nun ist die Blogtour zu Ende, in der ihr interessante Einzelheiten über das Locked-In-Syndrom, den Unterschied zum Wachkoma, Persönlichkeitsstörungen durch Traumata und über mich erfahren konntet.
    Sicher hat euch das Schicksal eines solchen Patienten betroffen gemacht. Ich glaube sogar, dass wir als Gesunde nicht einmal annähernd begreifen können, was es wirklich heißt, im eigenen Körper eingeschlossen zu sein, überhaupt nicht reagieren zu können, aber alles zu hören und soweit es die Augenbewegungen zulassen zu sehen oder zu fühlen.
    Und um Patienten zu helfen, werden heute schon, wie in meinem Buch beschrieben, Elektroden auf oder in das Gehirn implantiert. Auf diese Weise können sie lernen, sich allein mit der Kraft ihrer Gedanken wieder zu bewegen. Wie Tom es auch erlebt.
    Dr. Pantke ist selbst Betroffener und Leiter der Selbsthilfegruppe in Berlin. Er hat mir für meinen Roman viele wertvolle Tipps auch als Physiker gegeben.
    Solltet ihr noch Fragen zu meinem Roman oder zum Thema haben, ich beantworte sie gerne.
    Email: m.h.wilhelm@t-online.de oder bei Facebook: Martin H. Wilhelm
    Liebe Grüße Martin H.

Comments are closed.